Einig im Kampfgeist

Veröffentlicht am 13.01.2012 in Presse

Klare Rückendeckung: 97 Prozent der SPD-Mitglieder bestätigen Peter Feldmann als OB-Kandidat. Feldmann selbst nimmt die Wahl lachend an – und Schäfer-Gümbel mahnt die Partei, sich diese Zusammenarbeit zu bewahren.

Am Ende stehen die Menschen im Saal und feiern den Mann auf dem Podium mit minutenlangem Beifall. „Ich nehme die Wahl an“, ruft Peter Feldmann lachend den Delegierten des SPD-Parteitages zu. Mit großer Geschlossenheit hat die Frankfurter Partei am Freitagabend den 53-jährigen Sozialpolitiker als Kandidaten für die OB-Wahl 2012 bestätigt. Feldmann erhält 210 Ja-Stimmen bei nur sieben ablehnenden Voten und zwölf Enthaltungen, das entspricht einer Rückendeckung von 97 Prozent.

„Bewahrt Euch das, bewahrt Euch diese Zusammenarbeit“: Der SPD-Landesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel sagt es in beschwörendem Ton. Frankfurt dürfe nicht „den Engstirnigen und den Machttechnokraten überlassen“ werden. Schäfer-Gümbel ist nach Frankfurt geeilt, um die Rückendeckung der gesamten Landes-SPD für den Wahlkampf zu versprechen. Was Wunder, dass der Landes-Chef den CDU-Spitzenkandidaten, den hessischen Innenminister Boris Rhein, als Vertreter der Engstirnigen und Machttechnokraten identifiziert: „Er ist ein Schauspieler, ihn bewegt in der Sache nichts!“

Heuchelei sei es, wenn Rhein einerseits im Landtag die Klage gegen das Nachtflugverbot auf dem Rhein-Main-Flughafen beim Bundesverwaltungsgericht rechtfertige, zugleich aber die schwarz-grüne Koalition im Römer plötzlich für das Nachtflugverbot eintrete. Den Frankfurter Grünen attestiert Schäfer-Gümbel „Machtverkommenheit“. Großer Beifall. Schon Feldmann fordert zuvor in seiner kämpferischen Rede – noch am Nachmittag hatten ihn 39 Grad Fieber und eine heftige Erkältung geplagt – dass die Grünen endlich die schwarz-grüne Koalition im Römer aufkündigen . Nur so könnten sie ihre Behauptung im Interview mit der Frankfurter Rundschau beweisen, dass sie Teil des Protests gegen den Flughafenausbau seien. Feldmann fordert, alle Anflugrouten noch einmal zu überprüfen. „Gesundheit geht vor die ökonomischen Interessen der Fraport“, ruft er und „Nachtruhge geht vor Profit!“ Als Oberbürgermeister werde er dafür kämpfen, dass das Nachtflugverbot auf 22 bis 6 Uhr ausgeweitet werde.

Die Deutsche Flugsicherung, ätzt der OB-Kandidat, führe sich auf „wie eine Geheimbehörde“, weil sie den Bürgern den Einblick in ihre Arbeit verweigere.Am Ende springendie 229 Delegierten von ihren Sitzen, um Feldmann lange Beifall zu zollen. Einer zeigt sich an diesem Abend als fairer Verlierer: Der frühere Landtagabgeordnete Michael Paris, der Feldmann bei der Urabstimmung unter den 3800 SPD-Mitgliedern in Frankfurt unterlegen war. Er entfaltet einen großen roten Regenschirm über sich und Feldmann: „Ich gratuliere Dir, Peter!“

Seite an Seite wollen beide nun in den Wahlkampf ziehen – für diese Geste erhält Paris großen Applaus. Schon der OB-Kandidat hatte seinem Kontrahenten versichert: „Der Michael ist kein Gegner, sondern ein Genosse!“ Die Frankfurter SPD, diesen Eindruck vermittelt sie am Freitagabend, will es wirklich wissen bei der OB-Wahl. Klaus Oesterling, der Römer-Fraktionschef, ruft OBerbürgermeisterin Petra Roth dazu auf, sich in Sachsenhausen oder Oberrad endlich einmal dem Bürgerprotest gegen die Landebahn zu stellen. Die SPD aber fordert er auf, „nach draußen zu gehen und geschlossen zu kämpfen für Peter Feldmann“. Goßes Hallo.

Frankfurter Rundschau, 16.12.2011, Claus-Lürgen Göpfert, http://www.fr-online.de/ob-wahl-in-frankfurt/spd-parteitag-einig-im-kampfgeist,11317964,11321438.html